Skip to content Skip to footer

5 Fehler bei der Planung von Wegeleitsystemen bei Neubauten im öffentlichen Raum

Wenn das Leitsystem zum Leidsystem wird
Leit- und Orientierungssysteme sind omnipräsent, aber nicht alle funktionieren auch als solche. In unserem Berufsalltag treffen wir immer wieder auf einfache Beschilderungen oder Informationssysteme, die den Nutzer nicht ausreichend zum Ziel leiten. Welche Fehler bei der Planung von Wegeleitsystemen entstehen können und welche Folgen dies für die spätere Nutzung hat, erfahren Sie in den folgenden Punkten:

1. Leit- und Orientierungssystem steht im Planungsprozess hinten an

Ein nutzerzentriertes Leit- und Orientierungssystem erfordert eine ausführliche Planung in enger Abstimmung mit Architekten und Bauherren. Oftmals wird das Thema Objektbeschilderung bei einem neuen Bauvorhaben jedoch sehr spät in die Planungen einbezogen, sodass weder ausreichend Budget zur Verfügung steht noch alle Möglichkeiten für ein langfristig optimales Ergebnis ausgeschöpft werden können. So können beispielsweise fehlende Stromanschlüsse die Einbindung von digitalen Systemen ausbremsen oder fehlende Baugenehmigungen bzw. unzureichende Fundamentplanungen die Beschilderung im Außenbereich erschweren.

Ein gutes Leitsystem sollte sich immer an die Gegebenheiten und Architektur vor Ort anpassen. Bei Platzmangel oder zu niedrigen Deckenhöhen für notwendige Kennzeichnungen kann oftmals auf Alternativen zugegriffen werden, indem Beschilderungen beispielsweise durch Folierungen auf Fensterscheiben oder kreative Lösungen wie Farbleitsysteme auf Fußböden ersetzt werden. Teilweise müssen im Nachhinein aber auch technische Grundlagen geschaffen werden, die bei frühzeitiger Einplanung deutlich kostengünstiger oder auch optisch ansprechender hätten umgesetzt werden können.

Wenn von vornherein die Planungen für die Wegeleitsysteme mit in die Entwurfsphase für die Architektenpläne integriert werden, sodass Architekten, Grafiker und Planungsbüros bei der Ideenfindung zusammenarbeiten, können die Leit- und Orientierungssysteme an die Architektur des Gebäudes sowie die Bedürfnisse der späteren Nutzer sowohl optisch ansprechend als auch dem verfügbaren Budget von vornherein angepasst werden. Erhalten die Planer für das Leit- und Orientierungssystem nicht erst den finalen Ist-Zustand als Grundlage für ihre Konzeption, sondern können sie bereits beim Bau eines neuen Gebäudes mit Hinweisen für benötigte Anschlüsse, Materialien und Größen unterstützen, ist der Planungsprozess für alle Beteiligten effektiver. Architekturbüros und Planungsgesellschaften erhalten so von Anfang an auch gute Alternativlösungen entsprechend des verfügbaren Budgets des Bauherren.

2. Unzureichende Nutzerzentriertheit

Ein klassisches Firmenschild am Eingang und Türschilder auf den einzelnen Etagen – häufig treffen wir auf Objektverwaltungen auch sehr komplexer Gebäude, für die diese klassische Beschilderung ausreichend ist. Sie selbst finden sich ja schließlich im Objekt zurecht. Abgesehen von Informationssystemen wie beispielsweise Schaukästen und eventuell einem Orientierungsplan im Eingangsbereich fehlt die weitere Wegeleitung und es kommt zu Einsparungen bei genau den Hinweisen, die die Besucher betreffen könnten.
Ein unzureichender Einbezug wichtiger Nutzergruppen führt zu Verwirrung und Unzufriedenheit bei denjenigen, die im jeweiligen Objekt umherirren. Der Firmenpartner muss im Bürokomplex zum Meeting seiner gewünschten Firma finden, der Arbeitssuchende bei der Arbeitsagentur zu seinem jeweiligen Ansprechpartner, die Eltern im neuen Schulkomplex zum Sekretariat. Ohne ausreichende Hinweise zum gesuchten Ziel ist dies in einem neuen Objekt, das man vorher nicht betreten hat, schwer möglich. Gerade im öffentlichen Bereich besteht auch Handlungsbedarf, was das Thema Barrierefreiheit angeht. Neben barrierefreien Zuwegungen und Beschilderungen für Personen mit Handicap oder die immer größer werdende Anzahl an älteren Menschen spielen hier auch Themen wie Mehrsprachigkeit oder die Verständlichkeit von Piktogrammen eine große Rolle, die häufig in den behördlichen Einrichtungen noch nicht in den Leitsystemen wiederzufinden sind.

3. Schilderwald statt gezielte Standortplanung

Während die einen nur unzureichende Informationen für Besucher zur Verfügung stellen, trifft man an anderen Stellen wiederum auf ganze Schilderwälder. Zum Teil werden diese bei Bestandsgebäuden noch durch angeklebte Zettel oder weitere Schildsysteme immer wieder ergänzt, wie es oft in Krankenhäusern der Fall ist. Bei einer unstrukturierten Informationsflut ist es auch hier für den Nutzer schwer, ohne Umwege sein Ziel zu erreichen.
Eine Wegeführung sollte daher gezielt und logisch vom Außenbereich bis in das Gebäudeinnere und von dort zu den einzelnen Abschnitten im Gebäude geplant werden. Übersichtstafeln im Eingangsbereich müssen daher nicht alle Ziele oder Orte im jeweiligen Gebäude bzw. -komplex bis in das kleinste Detail abbilden, sondern sollten eine Groborientierung geben. Informationen in Gängen, die für Besucher irrelevant sind, müssen nicht repräsentativ ausgewiesen werden.
Für die Planung von Leit- und Orientierungssystemen sollten daher Nutzerströme und Verkehrsachsen analysiert und festgelegt werden, welche primären Wege ein Besucher zuerst durchläuft, um an einer späteren Stelle weitergeleitet zu werden. Zudem gibt es Bereiche, die von Besuchern nicht frequentiert werden sollen, was in die Planung bewusst mit einfließen sollte. Dieses Vorgehen gilt ebenfalls für die Wege interner Nutzer wie Mitarbeiter, Bewohner oder beispielsweise Lieferanten, für die teilweise andere Wege vorgesehen sind als für Besucher. Ob und in welcher Form all diese Informationen gekennzeichnet werden, richtet sich immer nach der Nutzungsform des jeweiligen Objekts.
Planung Leit- und Orientierungssysteme
LEITSYSTEME DRESDEN: Schritte für die Planung eines Leit- und Orientierungssystems
Bei einer sinnvollen Planung können Schilder von vornherein eingespart werden. Wenn dann auf ein Schildsystem aufgebaut wird, das modulartig erweiterbar ist und Möglichkeiten für die flexible Austauschbarkeit von Informationen bietet, so müssen zukünftige Erweiterungen nicht durch zusätzliche Elemente ergänzt werden, wie im Folgenden aufgezeigt wird.

4. Beschilderungen zu kurzfristig gedacht

Bei zahlreichen in der Öffentlichkeit vorhandenen analogen Wegeleitsystemen im Innen- als auch Außenbereich sind keine Änderungen möglich, ohne Schilder oder feststehende Systeme komplett auszutauschen. Aus wirtschaftlichen Gründen ist es daher sinnvoll, Überlegungen darüber, inwieweit Änderungen von Informationen in Zukunft auftreten könnten, mit in die Planungen von Wegeführungen einfließen zu lassen.
Besteht bei bestimmten Schildern ein starker Wechsel- und Aktualisierungsbedarf wie beispielsweise bei häufigen Mieterwechseln in Bürogebäuden und sollten daher bestimmte Informationselemente flexibel austauschbar sein? Ist es geplant, ein analoges System zusätzlich durch ein digitales System (Digital Signage) zu erweitern? Sollte der Kunde selbst Informationen schnell erneuern können? Wie umfangreich sind die darzustellenden Informationen und wie komplex sollte dann die Digital Signage Software ausgestattet sein? Oder reicht bei einer analogen Beschilderung, dass gewisse Beschriftungen einfach papierflexibel aufgebaut sind wie beispielsweise die Öffnungszeiten in einer Arztpraxis oder aktuelle Aushänge in einer Schule? Ist künftig ein Anbau geplant und das Beschilderungssystem problemlos erweiterbar? Besteht auch noch in 10 Jahren die Möglichkeit, ein Schildsystem nachzuproduzieren oder sogar eine Nachkaufgarantie? Oder sind Kooperationen geplant und damit auch Änderungen im Design möglich?
Langfristig zur ökonomischen Nachhaltigkeit spielt neben der Flexibilität des Systems auch die Materialqualität der Informationsmittel eine große Rolle, die vielfach nicht bedarfsgerecht beschaffen ist. In Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern, wo strengere Hygieneregeln als in einem allgemeinen Bürogebäude gelten, sollten beispielsweise Folien im Innenbereich gut abwischbar sein und nicht bei bestimmten Reinigungsmitteln beschädigt werden können. Zudem sollte die Oberflächenbeschaffenheit der Schilder glatt und die Form der Schilderauswahl nicht zu komplex sein, um einfach gereinigt werden zu können. Im Außenbereich sollten witterungsbeständige Oberflächen und Materialien ausgewählt werden, damit die Schilder gegen Feuchtigkeit beständig sind und Farben beispielsweise nicht wegen billig verwendeter Lacke und Folierungen verbleichen. Zudem sollte zum Schutz vor Vandalismus auf die Stabilität der Materialien als auch der Beschilderungskonstruktion geachtet werden, um abgebrochene Ecken oder verbogene Bleche zu vermeiden. Verschmutzungen durch Graffiti können mit einem vorab zusätzlich aufgetragenen Anti-Graffiti-Lack leichter und kostengünstiger entfernt werden, ohne ein Schild neu produzieren zu müssen. .
Beispiel Schilder
Bsp. eines veralteten und von Graffiti und Aufklebern verschmutzten Schildsystems

5. Fehlendes Designkonzept

Der letzte Punkt in dieser Aufzählung der größten Fehler bei der Planung von Leitsystemen ist keiner mit wirtschaftlichen Folgen, sondern ein optischer. Bei der architektonischen Neugestaltung eines Areals spielen Dinge wie garten- und landschaftsplanerische Maßnahmen, Beleuchtungskonzepte oder das Innenraum-Design eine wichtige Rolle, jedoch auf das Design eines Wegeleitsystems wird oftmals weniger Wert gelegt. Immer wieder treffen wir auf schicke Neubauten mit einer zwar funktionalen, aber optisch völlig lieblosen Standardbeschilderung.
Ein Leit- und Orientierungssystem kann jedoch so viel mehr darstellen als die reine Funktion des Leitens und Informierens seiner Nutzer. Das Wegeleitsystem kann grafisch und farblich entsprechend des jeweiligen Corporate Designs angepasst werden und dadurch optisch ein Unternehmen oder eine Institution deutlich aufwerten. Leit- und Orientierungssysteme können die Geschichte eines Ortes und dessen Funktion erzählen. Sie können aufgrund besonderer Formen oder der verwendeten Materialien auf sich aufmerksam machen, ein Objekt verschönern oder sich auch nahtlos in die vorhandene Architektur integrieren. Sie können die Wegeleitung zu einem Erlebnis machen.
Hiervon sind wir im Alltag leider öfters weit entfernt. Selbst bei den vorhandenen Standardschildern sind schon einfache typografische Grundlagen nicht vorhanden. So fehlt es oft an einem einheitlichen Beschriftungssystem mit genau festgelegten Schriftgrößen oder Satzspiegel. Die genauen Positionierungen für bestimmte Information und Hierarchien werden nicht festgelegt, dadurch ist jedes Informations- oder Orientierungsschild in jedem Gebäudeteil inhaltlich unterschiedlich angeordnet, das gesamte System nicht stimmig und für den Besucher damit verwirrend. Auch unterschiedliche Montagehöhen des gleichen Schildsystems in den unterschiedlichen Etagen oder Gebäudesegmenten, die aufgrund unterschiedlicher architektonischer Beschaffenheiten zustande kommen, bieten keine optimale Orientierung. Denn der Besucher erwartet eine Stringenz bei der Wegeführung. Ein Deckenleitsystem darf dann nicht in der nächsten Etage zur Wandbeschilderung werden, nur weil die Decke es nicht hergibt. Zudem sind häufig Schilderwälder mit Parallelsystemen vorhanden, die mit einer sinnvollen Planung hätten vereinheitlicht werden können. So kann selbst die Flucht- und Rettungswegeplanung optisch ansprechender mit in die allgemeine Wegeleitung integriert werden und muss nicht als eigenständiges System stehen.
Schilderwald
Schilderwald: Trotz funktionalem Aufbau des Schildsystems erschwert das optisch uneinheitliche Design die schnelle Orientierung im Außenbereich

Fazit: Interdisziplinäres Planen und positives Nutzererlebnis führen zum Ziel

Wie die vorherig aufgezeigten Punkte verdeutlichen, kann Fehlern bei der Planung von Leit- und Orientierungssystemen rechtzeitig vorgebeugt werden. Wer für sein Leitsystem frühzeitig sämtliche Optionen bezüglich Nutzung, Materialien und des Designs bedenkt, erhält auf längere Sicht ein nachhaltigeres, flexibleres System und damit auch künftig weniger Probleme hinsichtlich der Wartung. Hierfür sind ein ausführlicher und auf die Anforderungen des jeweiligen Objektes und seiner Nutzer angepasster Planungsprozess sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Architekten, Planungsbüro und Designagentur notwendig. einer mit wirtschaftlichen Folgen, sondern ein optischer. Bei der architektonischen Neugestaltung eines Areals spielen Dinge wie garten- und landschaftsplanerische Maßnahmen, Beleuchtungskonzepte oder das Innenraum-Design eine wichtige Rolle, jedoch auf das Design eines Wegeleitsystems wird oftmals weniger Wert gelegt. Immer wieder treffen wir auf schicke Neubauten mit einer zwar funktionalen, aber optisch völlig lieblosen Standardbeschilderung.
Wenn ein Leitsystem einheitlich, stimmig, logisch aufgebaut und in die Architektur des jeweiligen Objektes integriert wird, funktioniert die Navigation der Besucher ganz von selbst. Ein gutes Orientierungssystem geht nahtlos in die Architektur über und erweitert die Gestaltung des Raumes. Es kann dabei selbst zum Highlight werden und als besonderes Gestaltungselement einbezogen werden. So wird bereits der Weg das Ziel und das Leitsystem nicht zum Leid, sondern zur Freude seiner Nutzer.